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Rolling Stones - A Bigger Bang

Fakten und Zahlen:

3 Bühnensets + 1 Hauptbühne
133 Trucks
Gewicht der Bühne: ca. 300t
26m hoch, 62m breit, 30m tief
Satellitenbühne 70m von der Hauptbühne entfernt
225m² große LED-Wand
275 Mitarbeiter (Crew) + 56 Mitarbeiter (Band)
260 Hands
48 Stunden Aufbauzeit

Quelle: „‚A Bigger Bang’ in der AWD-Arena Hannover”. Von Dr. Rainer Fiedler, Michael Oehlerking, Ralf-C. Giese. Mit einem Inteview von Ralph Larmann. Production Partner 9/2006. S. 66-77.

Interview mit Produktionsleiter Dale Skjerseth

Dale “Opie” Skjerseth hält als Production Manager der aktuellen Rolling Stones Tournee „A Bigger Bang“ die Fäden der gesamten Produktion in der Hand. Wir sprachen mit Opie, der bereits seit 1979 im Productionbusiness tätig ist, in London über seine Arbeit und die Produktion.

Interview von Ralph Larmann

PP: Was waren die wesentlichen Gründe für die Rolling Stones, dich als Production Manager für diese Tour zu engagieren?

DS: Entscheidend war sicherlich, dass ich bereits bei den Tourneen „Licks“ und “Voodoo Lounge” als Stage Manager im Boot und somit ein Mitglied der „Familie“ war. Außerdem konnte ich in diversen Funktionen an weiteren Tourneen der Rolling Stones mitwirken. Darüber hinaus stand ich beständig mit Jake Barry in Verbindung, der die Stones seit der “Voodoo Lounge” Tournee als Production Manager betreute. Da Jake diesmal leider nicht dabei sein konnte, kam ich ins Gespräch. Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung mit Künstlern wie AC/DC, Black Sabbath, Ozzy Ozbourne und vielen anderen kenne ich natürliche sämtliche beteiligten Unternehmen, Designer und Produktioner. Zudem decken sich meine Ziele für eine Produktion mit denen der Rolling Stones; was, wie ich meine, eine ideale Voraussetzung und Grundlage für eine Zusammenarbeit ist. Somit kann ich meine Vorstellungen und Ziele in diese Produktion in idealer Weise einbringen. Ich weiß wie bei den Rolling Stones gearbeitet werden muss, was verlangt wird und dass natürlich viel zu tun ist. Aber das alles ist ein Teil des Projekts. Dabei ist die Atmosphäre hier wirklich sehr familiär.

RL: Was beinhaltet der Job als Production Manager der Rolling Stones? Was ist deine Mission?

DS: Mein Bestreben ist es, dass wir mit der Arbeit gut vorankommen, den Produktionsablauf, wenn möglich, beständig optimieren und dass das Ganze erfolgreich wird. Mein Job entwickelt sich parallel zur Produktion beständig weiter. Ich möchte sichergehen, dass wir, als die Produktion, im Zusammenspiel mit den Rolling Stones mit jeder Show das erreichen, was wir uns zuvor als Ziel setzten. Wenn der Name „Rolling Stones“ fällt, darf es niemals etwas Einfaches und Kleines sein. Selbst wenn in kleineren Hallen oder Clubs gespielt wird, möchte man, dass die Rolling Stones etwas Großartiges auf die präsentieren. Für die Band ist ein 08/15 Konzept oder Equipment einfach nicht drin. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Spielort ein Club, eine große Halle oder ein Stadion ist. Für mich selbst ist entscheidend, dass am Ende des Tages jeder glücklich ist, vor allem jedoch die Band. Dann ist alles bestens und ich habe einen guten Job gemacht.

RL: Was ist am Production Management der Rolling Stones im Vergleich zu AC/DC, Black Sabbath, Limp Bizkit, Ozzy Ozbourne oder den Eagles anders?

DS: In meinen Augen ist nichts anders, nur größer, sogar sehr viel größer. Egal für wen ich vorher gearbeitet habe, es ist wichtig, was die Band von mir und meiner Arbeit erwartet. Bei solchen Projekten wie diesem gibt es viele Menschen, die an Dingen mitarbeiten, die ich normalerweise bei anderen Jobs selbst mache. Da dies hier aber alles so riesig ist, kann ich mich nichts anderem widmen, außer eben der Gesamtproduktion selbst. Der Produktionsablauf muss einwandfrei funktionieren und die Zeitpläne eingehalten werden. Zudem ist für mich ganz wesentlich, dass die Band mit dem Drumherum glücklich und zufrieden ist. Das betone ich immer wieder!

RL: Kannst du etwas über das Budget eines Konzerts und der gesamten Tour Produktion erzählen?

DS: Wir haben einen Plan und ein Budget, in dessen Rahmen wir uns bewegen müssen, aber darüber müssen wir natürlich Stillschweigen über das Budget bewahren. Jedoch ist es schon verdammt viel Geld. Das aufgewendete Gesamtbudget werden wir jedoch erst am Ende der Tour kennen. Meine Zielsetzung ist natürlich, unter dem gesetzten Budget zu bleiben.

RL: Apropos Budget: Wie viele „On Stage-Tickets“ werden für die besonderen Plätze in der Bühne verkauft?

DS: Insgesamt sind das 230 Fans, die ein On Stage-Ticket pro Show erstehen können. Ich denke, es ist doch etwas ganz besonders eine Show der Rolling Stones On-Stage zu erleben. Du bist mit der Band auf der Bühne, du siehst das, was die Band sieht, du siehst die Menschenmenge da draußen vor der Bühne und alles, was auf der Bühne passiert. Du schaust raus auf zigtausende von Menschen. Wenn du das zum ersten Mal siehst und spürst, ist das verdammt aufregend. Es ist eine Erfahrung, die man ganz sicher nicht alle Tage machen kann. Zudem sind die On-Stage-Fans ein Teil des Bühnenbildes.

PP: War dieses Bühnenkonzept eine Idee der Band oder kam sie von Mark Fisher?

DS: Man hat das Bühnenkonzept gemeinsam erarbeitet, wobei Mark Fisher schon immer geniale Ideen für die Rolling Stones Bühnen hatte. Diese Bühne ist einfach ein perfektes Zusammenspiel zwischen der Band und Mark Fisher.

PP: Welches ist denn der größte und welches der kleinste Veranstaltungsort während der „A Bigger Bang“ Tournee?

DS: Der größte Veranstaltungsort dieser Tour war Copacabana Beach in Brasilien. Wir machten eine unglaubliche Show bei der 1,5 Millionen Menschen am Strand waren. Von einem Ende am Copacabana Hotel Palace den ganzen Strand entlang waren überall Menschen. Es war ein kostenloses Konzert und wirklich jeder war da. Das kleinste Konzert was wir hatten war in einem Club in Toronto mit etwa 800 Leuten. Für die Rolling Stones spielt es jedoch keine Rolle, ob sie in einem kleinen Club in Toronto oder am Strand von Copacabana auftreten, sie liefern immer eine Supershow ab, egal ob vor viel oder wenig Publikum. Die Band will ihrem Publikum etwas ganz besonderes zurückgeben. Die Fans sollen etwas für ihr Geld bekommen, eben eine einmalige, riesige Show, die keiner vergisst. Eine Show der Rolling Stones dauert immer mehr als zwei Stunden, und dabei werden möglichst viele Hits gespielt. Somit bekommen die Fans wirklich etwas geboten. Ich selbst finde diese Shows und das Auftreten der Band in dieser Form großartig.

RL: Hier in London hatten alle Leute im Innenraum, im Gegensatz zu Berlin, Sitzplätze. Gibt es dafür besondere Gründe?

DS: Das ist Sache des Veranstalters. Hier in London hat er sich für Sitzplätze im Innenraum entschieden. Aber natürlich können die Leute auch aufstehen. Ich denke, es ist doch ganz komfortabel, wenn man sich während einer guten Show kurz ausruhen kann. Ich denke es erhöht den Spaßfaktor. Bei den Eagles beispielsweise sind alle Show ausschließlich mit Sitzplätzen ausgestattet. AC/DC gibt’s in Europa nie mit Sitzplätzen. In den USA und in Australien sind ihre Konzerte wiederum bestuhlt.

PP: Wann begann für Dich die Arbeit an dieser Produktion?

DS: Ich hatte mein erstes Meeting 2004. Mark Fisher und der Lichtdesigner Patrick Woodroffe hatten ihre ersten Meetings mit der Band jedoch noch früher.

PP: Bist du in alle Schritte und Entscheidungen involviert?

DS: Ich bin in viele Schritte involviert, aber nicht in alle. Ich habe ein Konzept darüber, was jeder hier macht und bestätige alles, was mit mir und meiner Arbeit zu tun hat. Zudem werden ausreichend Leute engagiert, die wissen wir ihr Job zu machen ist, und zudem immer kooperativ mit den anderen Gewerken zusammenarbeiten. In Dingen, die die Produktion anbelangen werde ich über jeden Schritt informiert.

PP: Welche Software wird speziell bei deiner Arbeit als Production Manager genutzt?

DS: CAD and Adobe Acrobat. Außerdem nutzen wir das Internet und Telefone ausgesprochen intensiv. Am wichtigsten sind PDF-Dokumente und CAD, der Rest läuft mit den Microsoft Standardprogrammen wie Word.

PP: Wie lange braucht ihr für den gesamten Auf- und Abbau bei einem großen Auftritt?

DS: Für die Stahlbauten benötigen wir minimal 36 bis maximal 40 Stunden, für das einbringen und aufbauen der Produktion (Sound, Licht, Bandequipment, etc.) zwischen 8 und 10 Stunden. Im Schnitt haben wir eine Aufbauzeit für die gesamte Produktion von 48 Stunden. Wir können es auch etwas schneller, aber im Durchschnitt benötigen wir die angegebene Zeit.

PP: Wie viele Mitarbeiter sind in die Produktion involviert und in wie viele Abteilungen sind diese unterteilt?

DS: Wir haben insgesamt 275 Mitarbeiter. Diese sind in Licht, Ton, Video, Truckfahrer, Busfahrer, Pyro, Verwaltung/Management, Catering und Backline aufgeteilt. Das ist nur die Crew. Von Bandseite her sind es noch mal 56 Mitarbeiter.

PP: Wie viele Stage Hands werden vor Ort benötigt?

DS: Das sind zirka 100 Hands für den Aufbau und für den Abbau 160. Darin sind dann die Catering Hands, Runner usw. allesamt enthalten.

PP: Welche Firmen sind bei dieser Produktion mit dabei?

DS: StageCo liefert mit der gesamten Bühne mit weitem Abstand den größten Teil dieser Produktion. Die machen einen grandiosen Job! Insgesamt sind drei komplette Bühnensets und eine zusätzlichen Basisbühne auf dieser Tournee unterwegs. Für ein komplettes Bühnenset inklusive Basisbühne werden 40 Trailer benötigt und für die zusätzliche Basisbühne, die im Aufbau einfach am meisten Zeit benötigt, nochmals 13 Trailer; macht zusammen 133 Trucks. Das ist eine wirklich große Produktion! Das Soundsystem liefert Audio Rent, das Licht PRG und Syncrolites und die Screens Sreenworks / NEP. Ergänzend sei erwähnt, dass Beispielsweise das Soundsystem gerade mal fünf Trailer füllt. Für die Umkleidekabinen benötigen wir drei und für die Verwaltung einen Trailer.

RL: Was ist dein persönliches Fazit bis heute bezüglich dieser Produktion?

DS: Wir haben alles von Anfang an gut gemeistert. Wir hatten große Shows und viele ausgezeichnete Mitarbeiter, die sehr viele Stunden, und lange Tage an all dem hier intensiv mitgearbeitet haben. Inzwischen funktioniert diese Produktion nahezu intuitiv und reibungslos. Alle Beteiligten haben ihre Arbeit verinnerlicht. Dazu kommt die positive Arbeitseinstellung aller Mitarbeiter. Diese Leute fahren nach getaner Arbeit bei einer Tour dieser Größenordnung nach Hause und machen sich Gedanken über ihren Job, um ihn beim nächsten Mal vielleicht noch einen Tick besser machen zu können. Das ist die einzig richtige Einstellung! Ich habe das Gefühl, dass sich hier in dieser Produktion alle Beteiligten wohl fühlen. Und wenn das innerhalb einer Produktion der Fall ist, machen die Leute ihre Arbeit am besten und jeder gibt sein Bestes. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Sonne scheint oder es in strömen regnet. Es müssen nur alle am selben Strang ziehen, und das tun wir hier.

PP: Ganz sicher liegt das aber auch daran, dass jeder genügend Zeit hat seinen Job optimal zu erfüllen und dafür schließlich vernünftig bezahlt wird?

DS: Ganz sicher spielt das auch eine große Rolle. Was aber zudem entscheidend ist, ist dass man seitens des Managements allen Produktionsbeteiligten beständig die Möglichkeit gibt Arbeitsabläufe zu optimieren. Auch wenn dafür nochmals Geld in die Hand genommen werden muss, um beispielsweise ein Werkzeug oder eine Maschine zu kaufen bzw. anzumieten. Sind diese Möglichkeiten der Verbesserung und Optimierung nicht gegeben, wirkt sich das schnell negativ auf die gesamte Produktion aus. Ich habe das alles schon erlebt. Ganz sicher muss man von Seiten eines Managements die Kosten im Auge behalten. Aber ganz sicher ist es oft falsch, Geld in der Produktion an wichtigen Punkten zu sparen, um mehr Geld zu verdienen. Das wird schließlich nicht funktionieren. Wenn zum Beispiel ein zusätzlicher Truck beim Auf- und Abbau 4 Stunden Zeitersparnis für die Gesamtproduktion bringt, dann rechnet sich dieser Truck ganz schnell. Für den Auf- und Abbau der Produktion setzen wir seit einiger Zeit einen Kran ein. Er bringt uns eine Zeitersparnis beim Aus- und Einladen von jeweils 3 bis 4 Stunden. Da der Kran für die Bühnenbauer sowie angemietet wird und die Mindestmietzeit bei 8 Stunden liegt, kostet das noch nicht einmal mehr Geld. Denn die Bühnenbauer benötigen den Kran je Arbeitsgang nur 4 Stunden. Das Endergebnis dieser effizienteren Arbeit ist: Die Leute fühlen sich besser weil sie längere Ruhezeiten haben und das wiederum fördert die positive Gesamtstimmung.
Nochmals: Ich sehe eine meiner wichtigsten Aufgaben darin, durch eine beständige Arbeitsoptimierung die positive Energie bei allen Beteiligten aufrecht zu erhalten. Wenn ich glücklich bei der Arbeit bin, überträgt sich dies auf meine Mitarbeiter. Egal wie spät es ist, ich bin immer für meine Leute da. Es ist wichtig, jeden Tag aufs Neue mit einer positiven Einstellung zur Arbeit zu kommen. Am Ende des Tages kann negative Energie alles positive, was man erreicht hat, zunichte machen.

PP: Ich bedanke mich herzlich für das Gespräch.

PS: Ein ganz herzliches Dankeschön für die freundliche Unterstützung an Oliver Schlossareck von StageCo Deutschland und Tom Bilsen von StagoCo Belgien!

Credits:

Production Director: Jake Berry | Production Manager: Dale Skjerseth | Tour Director/Tour Promoter: Michael Cohl | Stage Design: Mark Fisher | Technical design coordinator: Jeremy Lloyd | Lighting Design: Patrick Woodroffe | Assistant Lighting Designer: Adam Bassett | Video Design: Sam Pattinson | Lighting Equipment: PRG, Syncrolites | Video Equipment: Screenworks/ NEP | Setting: StageCo | Years of Production: 2005/2006 | Locations: Olympic Stadium, Berlin/ Twickenham Stadium, London, Great Britain

Quelle des Interviews: „‚A Bigger Bang’ in der AWD-Arena Hannover”. Von Dr. Rainer Fiedler, Michael Oehlerking, Ralf-C. Giese. Mit einem Inteview von Ralph Larmann. Production Partner 9/2006. S. 66-77. Hier: 67-73.

Weiterführende Informationen: http://www.rollingstones.com